Sehr geehrte Leser
Als Vorstand des FC Speicher richten wir uns an Sie direkt, um Ihnen im laufenden Vereinsjahr die letzten vier Jahrzehnte des FC Speicher etwas näher zu bringen.
Ein Jubiläumsjahr bewirkt, dass die Blicke zurück in die Vergangenheit schwenken und auch die Erinnerungen aufleben (nicht nur des Vorstandes, sondern auch der Leser). Mit Erschrecken wird zur Kenntnis genommen, dass man selbst ein Teil der Geschichte des FC Speicher ist.
Der Blick in die Vergangenheit soll dazu helfen, die Gegenwart und die Zukunft besser zu verstehen. Dies ist nicht nur bei der Analyse der Weltgeschichte so, sondern auch bei der Chronik der Vereinsgeschichte.
Wir versuchen in vier Teilen einige Persönlichkeiten des FC Speicher heraus zu stellen und falls sich unsere Chroniksuche positiv entwickelt, noch mit einigen Anekdoten aufzufrischen.
Es ist sicherlich so, dass je näher die Berichte die „kurzfristige Vergangenheit“ streifen, desto präsenter werden Namen und Begebenheiten den Mitbeteiligten wie auch den Lesern.
W. Schefer
Ex-Präsident FC Speicher
FC Speicher Chronik Teil 1 (1962-1972)
In der Weltgeschichte ist 1962 das Jahr der „Kubakrise“ und das Jahr „des ersten Opfers“ an der „Berliner Mauer“. Fussballerisch wurde im Jahre 1962 in Chile um die Fussballweltmeisterschaft gespielt und „last but not least“ in Speicher im Herbst des Jahres 1962 der FC Speicher aus der Taufe gehoben.
Einige fussballbegeisterte Speicherer haben im Jahre 1962 – ohne eigenen Platz – unter der Leitung eines gewissen „Bühlmann“ den Fussballclub gegründet. Zuerst verzichtete man auf einen Vorstand und der erste Präsident amtete in Personalunion für alle Funktionen. Für den ersten öffentlichen Auftritt wurde ein Freundschaftsspiel mit Heiden arrangiert. Die Vorleistungen der Spieler für Jahresbeitrag und Tenuekosten wurden vom besagten 1. Präsidenten und Kassier „zweckentfremdet“. Er verliess mitsamt der Clubkasse bei „Nacht und Nebel“ Speicher. Zurück blieben enttäuschte Spieler, seine Familie und ein Stapel an unbezahlten Rechnungen.
Trotz diesem unrühmlichen Start wurde bereits im Jahre 1963 ein vollständiger Vorstand seitens der Hauptversammlung bestimmt. Unter der Leitung von Ruedi Spar (Präsident), Emil Krüsi (Kassier) und Peter Kuenlin (Materialwart) wurde die erste Saison eingeläutet. Die erste Bewährungsprobe erfolgte neben dem Spielplatz
Dorfpolizist Füllemann präsentierte dem neuen Vorstand noch eine unbezahlte Rechnung für Tenues. Dank grosser Geduld seitens des Lieferanten und dem ersten Tombolaabend konnten die „Schulden“ aus dem ersten Vereinsjahr beglichen werden. Note bene: der Haupttreffer des Tombolaabends war ein Salami!
Aus dem ersten Fussballturnier liegt ein Photo vor, welches nachfolgend abgebildet ist. Spieler dieser Mannschaften waren Namen wie: Luigi Eccher (Trainer), Luigi
Isone, Peter Kuenlin, Ruedi Spar, Leonardo Beozzi, Hardi Dällenbach, Hans Stramer, Gusti Loher, Mario Bonetti, Luigi Calligari, Luciano Dallanese, etc.
Nach diesem turbulenten Start, regelte sich das Vereinsleben einigermassen ein, da man sich der wichtigsten Nebensache der Welt, dem Fussballspiel widmen konnte. Bis 1965 wurden alle Spiele auf „fremden Plätzen“ durchgeführt. Erst im Jahre 1965 wurde das erste Heimspiel auf der „Kreuzbleiche“ in St. Gallen durchgeführt.
Highlights der ersten Jahre waren:
- die Trainings im Wald (Steineggerwald mit Taschenlampe), da kein eigener Trainingsplatz zur Verfügung stand,
- das Freundschaftsspiel gegen „Parsin München“, das nach anfänglicher 0:4 Führung am Schluss mit 6:4 verloren ging und
- die vielen sportlichen Duelle an Sonntagen auf der „Kreuzbleiche“ oder auf Gastplätzen.
Nach der Ära Spar wurde Hans Wattenhofer Präsident des FC Speicher. Ihm folgte Hansueli Müller nach (1968), in dessen Amtszeit fiel auch die Einweihung des Schulhauskomplexes Buchen. Mit diesem mutigen Schritt vor rund dreissig Jahren hat das Stimmvolk von Speicher nicht nur der Schulbehörde zusätzliche Raumkapazitäten für Lehrer und Schüler zur Verfügung gestellt, sondern auch allen Jugendlichen, die nach der Schule unter sich oder in den Vereinen ihre jugendliche Energie kontrolliert „abreagieren“ wollten. Der eigene Sportplatz war auch der Startschuss für die Gründung der Juniorensektion des FC Speicher.
FC Speicher Chronik Teil 2 (1973-1982)
Der Sportplatz Buchen ist eröffnet, die Juniorenabteilung des FC Speicher gegründet und der erste ordentliche Spielbetrieb auf dem „heiligen Buchenrasen“ konnte beginnen. Vorerst wurde die Juniorenabteilung mit den C-Junioren eröffnet. Solch illustre Namen wie Hermann Graf, René Graf, Markus Graf, Matthias Kellenberger, Roman Sturzenegger, Hanspeter Nyffeler, Hanspeter Wattenhofer, Markus Etter, etc., etc. zählten zu den ersten C-Junioren des FC Speicher.
Unter der Leitung von Hansueli Müller als Präsident, Trudi Etter als Kassierin, Carlo Tempini als Aktuar und Hans Wattenhofer als Spiko, wurden die Saison zwischen 1972 bis 1976 angegangen. Die Spielplatzverhältnisse auf der „neuen Arena Buchen“ waren ausgezeichnet. Die Lokalderbies zwischen Speicher und Teufen (4. Liga) zog an schönen Sonntagen derart viel Leute an, dass Trudi Etter praktisch die gesamte Spielzeit benötigte, um überall einen „Spenderbatzen“ einzukassieren.
Die erste Mannschaft des FC Speicher verzeichnete in dieser Zeit etliche herausragenden Leistungen wie z.B. 4-Liga Meister, Teilnahme Aufstiegsrunde in der Saison 1975/76 oder Gewinn des Appenzeller-Cups. Zu dieser Zeit waren Spieler wie Andreas Löw, Dani Roth, Gustav Loher, Peter Köhl, etc. aktiv.
Ab dem Jahre 1976 erfolgte eine starke Verjüngung der ersten Mannschaft. Wegen der Lücke beim Juniorenaufbau im Bereiche der A-Junioren, wurde die Junioren direkt in die 1. Mannschaft integriert.
Mit der Präsidiumsübernahme im Jahre 1977 durch Ernst Christen und der Besetzung des Traineramtes für die 1. Mannschaft durch Toni Angelosanto, wurde die Integration der jungen Spieler fortgesetzt. Mit der zunehmenden Anzahl an Mannschaften (Junioren 4 Mannschaften, 2 Aktivmannschaften) wurden auch die Trainingsprobleme augenfällig. Die Trainingswiese, nördlich des Hauptplatzes war bei feuchter Witterung schnell ein Morast und praktisch unbespielbar. Somit blieb den Trainern nichts anderes übrig als ebenfalls die Attraktionen des „Steinnegger Waldes“ und des „Vita Parcours“ zu nutzen.
Gegen Ende der 70-er Jahre wurde Speicher zum attraktiven Gegner. Die Duelle mit Teufen, Heiden, Appenzell zählten zu den Highlights auf der „Buchen Arena“. Die Unkonstanz der Mannschaft verschloss dem Teams jedoch jedesmal die Aufstiegsmöglichkeiten.
FC Speicher Chronik Teil 3 (1983-1992)
Nach dem Aufstieg in die 3. Liga wurden die Appenzellerderbies auf der Sportanlage Buchen zu Hauptattraktionen erklärt. Im Frühjahr und im Herbst kamen unsere Sportskameraden von Appenzell, Herisau, Teufen und Heiden nach Speicher, um dort jeweils spannende, sportlich hochstehende und zum Teil äusserst emotiona geführte Spiele zu erleben.
Das Mannschaftskader stellten 20 bis 26-jährige, welche schon seit der Juniorenzeit zusammen gespielt haben. In der Zeit von 1983 bis ca. 1986 wurde der Vorstand von Oski Kobelt präsidiert. In den übrigen Funktionen figurierten folgende Mitglieder: Beni Fuchs (Vizepräsident), Ernst Kindhauser (Aktuar), Hans Hohl (Kassier), Roman Rova (Juniorenobmann), Beisitzer 1. Mannschaft (Walter Schefer) und Spiko wie praktisch seit „Menschengedenken“ Carlo Tempini. Dies war auch die Zeit, respektive die Geburtsstunde unseres Cluborgans.
Mit der Unbeschwertheit der Mannschaft sich Jahr für Jahr in der 3. Liga zu halten, guten „Durchschnitt“ zu spielen und manchmal auch über sich hinaus zu wachsen, wurde auch der Teamgeist gefördert. Dieser Zusammenhalt übertrug sich auch auf den ganzen Verein. Es begannen die ersten grösseren Organisationen von Festen wie Sylvesterabend, Samichlausabend, Tombolaabende, Stände an Dorffesten, etc. und all diese Festivitäten fanden innerhalb 18 Monaten statt!!
Die Juniorenabteilungen erhielten immer mehr Zulauf und die Trainersuche war schon damals schwierig. Dank der Hilfe etlicher Aktivspieler konnten praktisch alle Juniorenmannschaften mit Trainern aus den „eigenen Reihen“ besetzt werden. Da jedoch um das Jahr 1986 etliche Aktivspieler altersbedingt, verletzungsbedingt, berufsbedingt oder wegen anderen Gründen die aktive Laufbahn beendeten und nicht mehr zur Verfügung standen, wurde für den FC die Situation prekär. Dieser Aderlass war nicht nur für die 1. Mannschaft ein Verlust, sondern für den ganzen FC Speicher, denn Vorstandsfunktionen mussten neu besetzt werden, Trainer mussten gesucht werden und zu guter Letzt durfte alles nichts kosten.
Sportlich platzierte sich die 1. Mannschaft jeweils innerhalb der ersten fünf Mannschaften der Gruppe. Das „Speicher Syndrom“ wurde damals geboren. In der Vorrunde der Meisterschaft gute Spiele - schlechte Spiele ; dies führte nach der Vorrunde dazu, dass die Mannschaft in der letzten Hälfte der Gruppe rangiert wurde. Nach der Winterpause kam man langsam in Schwung, spielte gut, rückte immer näher an die Spitze, und bevor man dort angekommen war .... war die Saison vorbei. Die gute Form kam zu spät.
Finanziell war die Zeit Mitte der 80-er schwierig. Trotz aller Anstrengungen konnte der Grundstock der Finanzen praktisch nicht erhöht werden. Nach der Ära Kobelt übernahm unser Banker Willi Landert das Präsidium des FC Speicher. Im Jahre 1989 wurden die Senioren des FC Speicher gegründet. Unter der Leitung von Ruedi Hanselmann als Seniorenobmann wurden die Senioren zusammen mit dem Vorstand zur wichtigsten Trägerschaft innerhalb des Fussballklubs. Dank diesem „Auffangbecken“ konnten auch die älter werdenden Aktivspieler dem Fussballspiel treu und somit auch dem FC in irgendeiner Funktion erhalten bleiben. Durch den konsequenten Aufbau des Cluborgans, den jährlichen Anlässen und der Unterstützung der Speicherer Bevölkerung konnten die Finanzen ins Lot gebracht werden.
Das Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen im Jahre 1992 wurde mit einem grossen Fest im eigens dafür erstellten Zeit vor der Sportanlage Buchen eingeläutet. Trotz widrigen Umständen – es regnete in Strömen und die Temperaturen im Juni waren für diese Jahreszeit erschreckend tief – strömten geladene Gäste sowie viele Speicherer ins Zelt und wohnten diesem Festakt bei.
Dieses Jahr werden wir das Jubiläum zusammen mit dem Dorfturnier feiern. Am Wochenende vom 22./23. Juni 2002 werden uns die „Säntisfeger“ im Buchensaal unterhalten und dem 40-Jahr Jubiläum einen feierlichen Rahmen geben.
FC Speicher Chronik Teil 4 (1993-2002)
Obwohl zu Beginn der 90-er Jahre die 2. Aktivmannschaft aufgelöst wurde – wobei die meisten altershalber sowieso zu den Senioren übertreten mussten – wurde der mengenmässige Zugang von Jugendlichen als Spieler beim FC Speicher immer stärker. Die Einführung des Kinderfussballs (Junioren E und F) ermöglichte es, dass Kinder praktisch ab den ersten Schuljahren Fussball im Club spielen konnten. Der FC Speicher wurde von der Anzahl der Jugendlichen überrascht. Die Betreuung dieser neuen Juniorenkategorie benötigt viel Feingefühl aber auch Durchsetzungskraft.
In den letzten 10 Jahren wurde der Fussballclub von Willi Landert und dem Schreibenden geführt. Die immer höheren Ansprüche von Spielern, den Verbänden und auch Behörden konnte dank dem immensen Einsatz aller Vorstandsmitglieder bewältigt werden. Den Vizepräsidenten dieses Zeitabschnittes (Roland Diem bis 1996; Hanspeter Basig von 1997 bis heute), den Kassieren (Sascha Tscharner und Marco Keel), den Aktuaren (Hanspeter Basig, Hanspeter Dürler und Toni Sonderegger), den „Spikos‘“ (Carlo Tempini und Urs Forrer) , den Seniorenobmänner (Roland Lutz, Toni Sonderegger und Hanspeter Dürler), den Beisitzer der 1. Mannschaft (Urs Forrer und Ralph Schacher) sowie last but not least den Juniorenobmänner (Renato Eccher und Peter Forrer) gebührt der Dank an dieser Stelle, um den mittlerweile grossen Club von rund 175 Aktiven und Jugendlichen zu führen. Zählt man noch die Trainer und Betreuer sowie Ehrenmitglieder hinzu wird die 200-er Grenze überschritten.
Im sportlichen Bereich verlief das letzte Jahrzehnt wechselhaft. Nach der positiven Erkenntnis, dass das Traineramt der 1. Mannschaft besser aus eigenem „Nachwuchs“ besetzt werde, damit die Fortsetzung der Jugendarbeit auch im Fanionteam erfolge, konnte im Jahre 1992 Remo Eccher als Trainer 1. Mannschaft gewonnen werden. Ihm folgte im Jahre 1995 Edgar Bischof nach, der trotz grossen Bemühungen die 3. Ligazugehörigkeit zu bewahren und dennoch die jungen Spieler in die 1. Mannschaft einzubauen, im Jahre 1996 den Abstieg in die 4. Liga hat hinnehmen müssen.
In dieser Zeit wurden auch die Platzbelegungsverhältnisse auf der „Buchenarena“ immer prekärer. Die Koordination der Trainingseinheiten, unter Beachtung der Interessen anderer Vereine machte es unabdingbar, dass innerhalb der Belegungskommission der Gemeinde auch ein Vertreter des FC Speicher Einzug nahm. Nur die Kenntnis der Interessen der Eigentümer der Anlage (Gemeinde) und die des hauptbenützenden Vereins (FCS) machte es möglich, Kompromisse zu finden oder aber Platzsperrungen im Sinne des Sportplatzes durchzusetzen.
Die Betriebskosten des Spielbetriebes machten es notwendig, dass nebst den Jahresbeiträgen, den Einnahmen von Inserenten im Club Organ und den treuen Passivmitgliedern neue Einnahmequellen erschlossen werden mussten.
Im Jahre 1997 wurde erstmals der Spielplausch im Januar ins Leben gerufen. Anfänglich ein Anlass, an dem verschiedenste Sportgelegenheiten angeboten wurden (Hallenfussball, Basketball, Torwandschiessen, Darts), verschob sich das Interesse von Jahr zu Jahr mehr zum Hallenfussball. Der Ansturm von Jugendlichen für dieses Fussballevent im Januar führte dazu, dass der „Spielplausch im Januar“ zum Hallenfusballanlass mit Abendunterhaltung konvertierte.
Die bis Ende der 90-er Jahre praktizierte Rotation im Organisationsteam des Dorfturnieres wurde im Jahre 1999 definitiv dem FC Speicher übertragen. Die ursprünglichen Prinzipien für die Teilnahme am Dorfturnier wurden jedoch nicht angetastet. Die drei Grundkriterien für die Teilnehmer: wohnhaft in Speicher, Arbeitsstelle in Speicher, Vereinsmitglied in einem Speicherer Dorfverein wurden in den letzten Jahren dahingehend erweitert, dass jeweils 2 Spieler einer Mannschaft diese Grundkriterien nicht erfüllen müssen.
An der Urnenabstimmung vom 20./21. April dieses Jahres wurde dem Projekt der Erneuerung der „Sport- und Freizeitanlage Buchen“ seitens des Volkes zugestimmt. In einer Zeit da erhöhte Ausgaben seitens des Stimmvolkes nicht positiv gewertet werden, ist dieser Volksentscheid als Vertrauensvotum an die Jugend und an den Sport allgemein zu werten.
Die Probleme, die dem FC Speicher aus der Nichtbenützung der Buchensportanlage im ganzen nächsten Jahr erwachsen, müssen bereits diesen Sommer angegangen werden. Die Kreativität der Trainer und des Vorstandes, die Flexibilität der Behörden und die Bereitschaft der Spieler wird es richten, dass auch nächstes Jahr Fussball gespielt wird. Für die Durchführung des Dorfturniers 2003 werden zur Zeit noch Alternativen gesucht.
Wir möchten es nicht unterlassen, mit dem Abschluss des 4. Teils der Chronik des FC Speicher all unseren Inserenten, Gönnern, Passivmitgliedern, den Gemeindebehörden, den unentwegten Zuschauern und den Eltern zu danken, ohne deren Unterstützung ein geordneter Spielbetrieb nicht möglich wäre.
W. Schefer
Präsident FC Speicher







